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2024 Aktuelle S3-Leitlinien zur Entfernung der Eierstöcke bei Verdacht oder Erkrankung an Krebs (2019 – 2024)
Diese Leitlinien beruhen auf den Ergebnissen großer Langzeitstudien, die zeigen, dass die Entfernung beider Eierstöcke – insbesondere bei gutartigen Erkrankungen – mit einer erhöhten Gesamtsterblichkeit verbunden ist. Sie sind nach wie vor gültig.
Die Sterblichkeit (Mortalität) war höher als bei Frauen, denen "nur" die Gebärmutter entfernt wurde.
Deshalb wird empfohlen, dass die Eierstöcke bei gutartigen Erkrankungen zu erhalten bleiben und nur bei einer Erkrankung an Krebs (maligne Erkrankung) oder bei begründetem Krebsverdacht entfernt werden dürfen.
Große britische Registerstudie (2017)
Die Ergebnisse dieser Studie mit 113.679 Frauen im Alter von 35 bis 45 Jahren zeigten eine geringere Hospitalisierungsrate aufgrund von Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie eine deutlich niedrigere Mortalität (Sterbefälle) bei Erhalt der Eierstöcke. Quelle: Gyn-Depesche
2023 Hannover - Neues schonendes operatives Verfahren zur Behandlung von Senkungsbeschwerden mit titanisiertem Polypropylennetz (TiMESH, TiLENE)
Im Vinzenzkrankenhaus Hannover wird diese neue Therapie von Andreas Nikolaou angewendet. Diese Therapie minimiert die Narbenbildung in der Scheide und ermöglicht eine spannungsfreie Aufhängung der Organe.
Dabei wird minimalinvasiv die Gebärmutter oder die Scheide über ein titanisiertes Polypropylennetz mit zwei Netzarmen im Verlauf der "Mutterbänder" fixiert, so dass eine naturgetreue Aufhängung erreicht wird. Mögliche Entzündungen und eine Vernarbung der Scheide werden reduziert.
Quelle: Beckenbodenzentrum Hannover
Seit 2020 vNOTES – laparoskopische Operationen, ohne Bauchschnitte (vaginal Natural Orifice Transluminal Endoscopic Surgery)
Bei dieser neuartigen Operationstechnik handelt es sich um eine Weiterentwicklung der minimalinvasiven Chirurgie. Sie wurde von Prof. Dr. Jan Baekelandt 2013 entwickelt und wird seit 2020 auch in vielen Kliniken in Deutschland angewendet.
Diese Technik ermöglicht mittels eines speziellen, feinen Instruments – dem Portsystem – Operationen durch die Scheide durchzuführen. Sie verbindet das vaginale Operieren mit bildgebender (endoskopischer) Sicht.
Eine sanfte Alternative zu herkömmlichen Operationsverfahren, bei der vollständig auf Bauchschnitte verzichtet werden kann.
Weitere Informationen finden Sie unter Organerhaltende OP-Verfahren.
Kliniken finden Sie hier:
2018 Schilddrüsenknoten und -erkrankungen mittels Echotherapie und Thermoablation schonend und organerhaltend behandeln
Die Echotherapie oder Thermoablation ist ein neues, schonendes, nicht-operatives Verfahren zur Behandlung von gutartigen Schilddrüsenknoten (heiße und kalte Knoten).
Die Knoten werden mit therapeutischem hochintensiven fokussiertem Ultraschall gezielt behandelt. Dadurch ist eine Schilddrüsenoperation nicht notwendig, und auch eine vollständige Entfernung der Schilddrüse ist nicht mehr die erste Option.
Die Vorteile sind:
- keine Narben
- lokale Betäubung
- kurze Dauer der Behandlung
Kliniken und Praxen sind in Deutschland noch in geringer Zahl vorhanden
Deutsches Zentrum für Thermoablation DZTA
2015 Neuartige MRT-Technik zur Untersuchung der Brust
Diffusionsgewichtete Magnetresonanztomographie (DW-MRI) ohne belastende Strahlen
Mit dieser neuartigen MRT-Technik kann auffälliges Brustgewebe sehr genau abgeklärt werden, um verdächtige Befunde auszuschließen. Wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass mit dieser Untersuchungsmethode häufig sonst erforderliche Biopsien vermieden werden können.
Die Untersuchung erfolgt ohne Kontrastmittel, ohne Röntgenstrahlen und in sehr kurzer Zeit. Nur wenn das Ergebnis einen positiven Befund wahrscheinlich macht, ist eine Biopsie erforderlich.
Wichtige Kontraindikationen für die MRT sind unter anderem Herzschrittmacher und bestimmte intrakranielle Clips.
Quelle: Pressemitteilung Deutsches Krebsforschungszentrum, 29.09.2015
"Durch diffusionsgewichtete MRT konnten über 90 Prozent der auffälligen Mamma-Befunde richtig klassifiziert werden." Quelle: Ärztezeitung 2015
Gesetzliche Krankenkassen übernehmen die Kosten für eine MRT-Untersuchung bisher nur im Ausnahmefall.
Aktualisierte Empfehlungen zur Mamma‑MRT (2024) Veröffentlicht über Thieme / RöFo (Radiologie): Deutsche Röntgengesellschaft - AG Mammadiagnostik
2013 "Natürliches Progesteron ist sicherer !"
8. Konferenz der Deutschen Gesellschaft für Prävention und Anti-Aging-Medizin (GSAAM) in München
"Kein Einfluss auf das Brustgewebe - Unterschied zu Gestagenen bestätigt"
Dass ein Unterschied zwischen natürlichem Progesteron und chemisch veränderten Gestagenen und Progestinen besteht, darin sind sich die Ärzte auf der 8. Konferenz der Deutschen Gesellschaft für Prävention und Anti-Aging-Medizin (GSAAM) in München einig.
"Als eine sehr wichtige Studie sieht Professor Alfred Mueck aus Tübingen in diesem Zusammenhang ... die französische E3N-Untersuchung an."
In dieser Studie wurde nachgewiesen, dass sich das Brustkrebsrisiko bei einer kombinierten Hormontherapie mit synthetischen Gestagenen erhöht.
Wird dagegen natürliches Progesteron mit über die Haut verabreichten Östrogenen kombiniert, kommt es zu keinem Anstieg des Brustkrebsrisikos.
In einer Untersuchung mit knapp 70.000 Frauen war selbst nach fünfeinhalbjähriger Behandlung mit einer Kombination aus über die Haut zugeführten Östrogenen und natürlichem Progesteron kein gesteigertes Brustkrebsrisiko zu beobachten.
Quelle: Symposium „Hormonersatztherapie: Die Studien nach den Studien" im Rahmen des Fortbildungs-Kongresses 2007 der Frauenärztlichen Bundesakademie (März 2007) sowie Ergebnisse der ESTHER-Studie (EStrogen and ThromboEmbolism Risk Study).
2013 Geschlechtshormone beugen Herzrhythmusstörungen vor und können damit einen plötzlichen Herztod verhindern
Universitäts-Herzzentrums Freiburg – Bad Krozingen
Eine Forschergruppe des Universitäts-Herzzentrums Freiburg – Bad Krozingen um Dr. Katja Odening, gemeinsam mit Wissenschaftlern der Brown University (USA) konnte zeigen, dass das Geschlechtshormon Progesteron bei Menschen mit einem Long-QT-Syndrom Herzrhythmusstörungen vorbeugen und damit einen plötzlichen Herztod verhindern kann.
"Das Long-QT-Syndrom ist eine seltene angeborene oder durch unerwünschte Medikamentennebenwirkungen erworbene Erkrankung, die Herzrhythmusstörungen (sogenannte ventrikuläre Arrhythmien) hervorrufen und zu Bewusstlosigkeit oder zum plötzlichen Herztod führen kann."
(Anmerkung/Frage!: Gehören auch Frauen dazu, denen die Gebärmutter und/oder die Eierstöcke entfernt wurden und die infolgedessen an Herz-Kreislauf-Beschwerden leiden – also an Symptomen, die einem Long-QT-Syndrom ähneln?)
Auffällig ist – so stellten die Wissenschaftler fest –, dass Frauen mit einem Long-QT-Syndrom ein deutlich höheres Risiko für diese Rhythmusstörungen haben als Männer.
Das betrifft vor allem die Zeit nach der Schwangerschaft. Die Schwangerschaft selbst bietet einen gewissen Schutz. Für die Mediziner ist dies ein Hinweis darauf, dass Hormone Einfluss auf die Erkrankung haben.
Auf diese Beobachtung basierte eine retrospektive Analyse von 1.400 Patientinnen, die eine protektive (schützende) Wirkung von Progesteron zeigte.
Quelle: Pressemitteilung des Universitäts-Herzzentrums
In der anliegenden Datei ist die Pressemitteilung des Universitäts-Herzzentrums Freiburg – Bad Krozingen zu lesen.
Anmerkung: Progesteron (bioidentisch – dem menschlichen Hormon entsprechend ist das einzige Hormon, das – wenn ein Eisprung stattgefunden hat – aus der verbliebenen Eihülle (Gelbkörper) im Eierstock in der 2. Zyklushälfte produziert wird. Gestagene sind bzw. wirken wie Gelbkörper-Hormone, sind aber chemisch (synthetisch).
Auch in der Nebennierenrinde, in männlichen Geschlechtsorganen und im Gehirn wird Progesteron in kleineren Mengen produziert.
Findet kein Eisprung statt, fehlt eine große Progesteronquelle. Dies hat Einfluss auf alle Stoffwechselvorgänge im Körper.
Gestagene bzw. Progestine sind keine natürlichen Hormonarten. Natürliche Gestagene gibt es nicht.
2011 Gebärmutterentfernung im Wandel – selbst bei einem Zervixkarzinom (Gebärmutterhalskrebs)
"Heute ist die radikale Entfernung der Gebärmutter, Eierstöcke, Eileiter und Lymphdrüsen (Operation nach Wertheim) nicht einmal mehr bei einem kleinen Zervixkarzinom und noch nicht erfülltem Kinderwunsch obligat ..."
Prof. Dr. med. Klaus Friese, Klinik für Frauenheilkunde München
Lesen Sie weiter: Quelle: Deutsches Ärzteblatt 2011
Bei einer Empfehlung zur Gebärmutterentfernung aufgrund eines bösartigen Befundes besprechen Sie mit dem Arzt die Möglichkeit des Erhalts der Eierstöcke!
2010 NEU: NovaSure-System zur Endometrium-Ablation
Dieses neue minimalinvasive OP-Verfahren wird bei starken und/oder dauerhaft anhaltenden Menstruationsblutungen eingesetzt, wenn andere Methoden nicht ausreichen.
Dabei wird eine Elektrode (das Goldnetz) in die Gebärmutter eingeführt, dort entfaltet und an die Gebärmutterschleimhaut anlegt. Mithilfe eines Hochfrequenzstroms wird die Gebärmutterschleimhaut innerhalb weniger Sekunden verödet.
Die Kosten für diese Therapie werden bereits von einigen Krankenkassen in Deutschland übernommen.
Im Dezember 2010 trafen sich in Hamburg unter der Leitung von Dr. Gallinat – einem weltweit anerkannten Experten für hysteroskopisch-gynäkologische Operationen – Experten, Wissenschaftler und Ärzte, um sich über dieses neue Verfahren auszutauschen und neueste medizinische und ökonomische Erkenntnisse zu diskutieren und weitere Schritte zur Förderung gebärmuttererhaltender Therapien in Deutschland auf den Weg zu bringen.
2010 Eierstockerhalt rettet Leben!
Studie der "Nurses Health"
In einer großen Studie der "Nurses`Health Study" mit 29.380 Teilnehmerinnen zeigte sich nach einem Beobachtungszeitraum von 24 Jahren, dass bei einer Gebärmutter-entfernung mit gleichzeitiger Entfernung der Eierstöcke die Sterberate (Mortalität) höher war als bei Frauen, denen nur die Gebärmutter entfernt wurde.
Auf neun kombinierte Gebärmutter- und Eierstockentfernungen kommt ein zusätzlicher Todesfall, durch die operative Entfernung der Eierstöcke. In keiner Altersgruppe zeigte sich ein Überlebensvorteil durch die Eierstockentfernung.
Quelle: Parker W et al, Obstet Gynecol 2009, 113:1027- Ärztezeitung 2009
Mammografie-Screening?
Neue Ergebnisse zur Qualität der Früherkennungs-Mammografie
Bereits in mehreren Studien hat sich herausgestellt, dass die Zahl der diagnostizierten Brustkrebserkrankungen um die Hälfte angestiegen ist.
Dieser Trend zur Überdiagnose ist darauf zurückzuführen, dass durch die verbesserte Technik auch vermehrt Krebsvorstufen und Brusttumoren entdeckt werden, die das Leben der Frau vermutlich nie bedroht hätten.
(Quelle: Ärztezeitung 2015)
Das Nationale Netzwerk Frauen und Gesundheit hat eine Broschüre mit umfangreichen Informationen zum Mammografie-Screening veröffentlicht.
Sie dient auch als Entscheidungshilfe!
www.Nationales-Netzwerk-Frauengesundheit.de
Gynäkologische Operationen im Jahr 2007
Die höchste Anzahl der Hysterektomien bei gutartigen Erkrankungen erfolgte bei Frauen im Alter von 40 bis 49 Jahren (62.369), gefolgt von (27.388) Frauen im Alter von 50 bis 59 Jahren.
23.966-mal blieb die Gebärmutter erhalten!
Über 30.000 Frauen haben im Alter von 40 Jahren und darüber Kinder geboren!
Viele Gebärmutter- und Eierstockentfernungen könnten verhindert werden, wenn eine intensive Aufklärung über die Ursachen (z.B. hormonelles Ungleichgewicht) von Erkrankungen der weiblichen Organe sowie über die vielfältigen Möglichkeiten organerhaltender Behandlungs- und Therapieverfahren auf breiter Ebene erfolgen würde!
Laut Beschluss der Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) anlässlich der 33. Versammlung im Jahr 1961 in München wurde allgemein anerkannt, dass auch bei benignen (gutartigen) Erkrankungen die Gebärmutter entfernt werden kann.
Ist dieser Beschluss noch zeitgemäß?
Moderne Leitlinien empfehlen heute bei gutartigen Erkrankungen Gebärmutter und Eierstöcke zu erhalten. Die Zahl der Kliniken, die sich für minimal-invasive Operationen entscheiden, nimmt immer weiter zu.
Das ermutigt dazu, als Betroffene oder behandelnder Arzt voreilige Empfehlungen zur Hysterektomie oder Ovariektomie zu hinterfragen und nach individuellen organerhaltenden Lösungen zu suchen.
Gebärmutterentfernungen im Jahr 2007
Beteiligung: 1149 Kliniken
Bei insgesamt 166.376 Eingriffen am Uterus erfolgten:
- 142.410 Gebärmutterentfernungen,
davon ca. 9 % aufgrund bösartiger (maligner) Erkrankungen. - In 17.916 Fällen wurden zusätzlich die Eierstöcke mitentfernt.
- 86.476 Gebärmutterentfernungen erfolgten wegen Myomen.
19.698 Gebärmutterentfernungen erfolgten zum Teil:
- ohne histologische Organpathologie
- aufgrund von unklarer Zellveränderungen am Gebärmuttermund oder an der Gebärmutter
- bei Ektopie, Dysplasie, Carcinoma in situ, u.a. Faktoren
Bei 6,7 Millionen Frauen im Alter von 40 bis 49 Jahren wurde im Jahr 2007 bei jeder 100. Frau die Gebärmutter entfernt!
Quelle: Bundesgeschäftsstelle für Qualitätssicherung (BQS)
